Apuleius

»Metamorphosen oder Der goldne Esel«

Über die Gestaltung

Apuleius’ »Metamorphosen« wurden in den fast 2000 Jahren ihrer Rezeption Geschwollenheit und Chaos attestiert, gleichzeitig wurden Hohelieder auf die kunstvoll verwobene Textstruktur und die formale Vielschichtigkeit des Romans gesungen. Ein auf vielen unterschiedlichen Wegen zu ergründender Text also, zu dem der Zugang ganz unterschiedlich aussehen konnte.

Entsprechend bunt waren auch die ersten Entwürfe, für die die unterschiedlichsten Elemente Verwendung fanden, nur nicht das Motiv »Esel« und die Farbe Gold – denn das wäre ja zu naheliegend gewesen. »Amor und Psyche« in diversen Varianten tauchten auf, als Gemälde, als historische Illustrationen des Romans im Original, verfremdet, gerastert, stilisiert. Das Ergebnis: Es war alles zu viel.

So schaffte es letztlich doch der Esel bzw. der sich in ihn verwandelnde Protagonist Lucius auf den Einband, und nur er. Auf einem hochweißen, strukturierten Papier, das einen optischen und haptischen Kontrast zur Schlaufe in Gold bildet, die nicht nur auf den Romantitel Bezug nimmt – sondern auch darauf, dass es etwas zu feiern gab: den 400. Band der »Anderen Bibliothek«. Das Gold leitet über das Vorsatz in den Innenteil, wo es die Auszeichnungsschriften belebt. Der Titel auf der Schlaufe, gesetzt in der »Brandon Grotesque«, nimmt das Weiß des Einbands auf und steht in seiner räumlichen Anordnung für die gesprochene Sprache: Der Überlieferung nach war Apuleius nicht nur Autor und Philosoph, sondern auch Rhetoriker.

Im Innenteil spielt die räumliche typografische Darstellung nur bei den Kapiteleingängen eine Rolle; ansonsten war das gestalterische Anliegen, die halb ironisch, halbe ernsthafte Berg- und Talfahrt des Protagonisten Leserin und Leser möglichst ruhig anzubieten.

Die Textschrift ist die »Lapture« von Tim Ahrens (nach Albert Kaprs »Leipziger Antiqua«) – nicht zuletzt wegen ihrer kleinen Brüche, als leiser Verweis auf die Ambivalenz des Textes. Die ruhigen Illustrationen begleiten nur die Kapiteleingänge.

Erschienen im Verlag »Die Andere Bibliothek«.