Johann David Wyss
»Der Schweizerische Robinson«
Über die Gestaltung
Vor dem Entwurf stand, wie immer, die visuelle Recherche: Verschiedene historische Ausgaben des Titels waren gestalterisch sehr unterschiedlich angelegt; gemeinsam war ihnen der Oberbegriff »Abenteuer«.
Angelehnt an dieses Genre in der Entstehungszeit des Originals, zeigten die Entwürfe für die Schlaufe zu Beginn mehrere Varianten, in denen Rahmen und Ornamente eine große Rolle spielten. Letztlich fiel die Entscheidung auf einen relativ zurückgenommenen Entwurf, der das Baumhaus der gestrandeten Familie (als Lebensmittelpunkt und Rückzugsort ein zentrales Motiv des Buches) in leuchtenden Farben zeigte.
Bei der Schrift- und Farbwahl war das große Thema »Robinsonade« immer präsent – der Gedanke an die einsame Insel, deren Reichtümer sich die Gestrandeten nach und nach zu erschließen lernen, die eine Gegenwelt zur eigenen bedeutet, eine wundersame, bunte Welt, die es sich anzueignen gilt. Das neu entstehende Buchobjekt sollte eine Komprimierung dieser Insel sein, eine Erinnerung an Inselzeiten für lange, graue Wintertage. Deshalb das leuchtende Rot, das als Träger der Handschrift des Verfassers auf dem Vorsatz flächig in die Inselwelt hineinführt, dann weiter zum Schmutztitel und der Titelei, hier als Grund der Karte, die nicht fehlen darf. Es behält seine leitende Funktion auf den linken Eingangsseiten zu den vier einzelnen Büchern des Werks.
Die darauffolgenden Kapiteleingänge stellten eine gestalterische Herausforderung dar, weil sie übersichtlich kurz begannen, sich aber in den letzten Kapiteln zu vielzeiligen Titeln fortentwickelten. Weil eine deutliche Plakativität der Kapitelanfänge bei mehr als 1000 Seiten wichtig war, begannen die Titel laut und groß und wurden bei den mehrzeiligen Varianten kaskadenartig kleiner, so dass sie trotz ihres Umfangs übersichtlich blieben und im gesamten Buch aus einem Guss sein konnten. Ergänzt wurde die Kapitelanfangsgestaltung jeweils durch illustrative Details aus den vielen doppelseitig gezeigten Abbildungen.
Die vorhandenen vierfarbigen Illustrationen (zusätzlich zu den ursprünglich in Sepiatönen vorliegenden, in dieser Ausgabe im Duplex gedruckten Abbildungen) wurden als Klapptafeln integriert und durften so ihre originäre Farbigkeit behalten; schön auch der materialbedingte Kontrast der Tafeln zum auf Dünndruckpapier gedruckten Innenteil.
Von den verschiedenen im Entwurf ausprobierten Schriften machte die »Augustea« das Rennen; auf allen 1148 Seiten ruhig gesetzt von »Dörlemann Satz«.
Der Einband zeigt, analog zur Schlaufe, eine einzelne entscheidende Szene, gedruckt auf ein strukturiertes Papier. Eine leise Reminiszenz an die schweren Einbände der zugrundeliegenden Handschrift – mit deren Repoduktion als Rahmung des Inhaltsverzeichnisses und als Wiederaufnahme auf dem Nachsatz das Buch auch schließt.
Erschienen im Verlag »Die Andere Bibliothek«.